Vor gut einem Jahr haben wir gestartet Beherbergungsbetriebe zu aktivieren, um an unserem Projekt zur Wiederverwertung von Hoteltextilien teilzunehmen. Heute – ein Jahr später – geben wir einen Einblick in die Entwicklungen und Ergebnisse des Projekts.

In der Schweiz fallen jährlich rund 110’000 Tonnen Alttextilien an – etwa die Hälfte davon wird entsorgt. Gleichzeitig verursacht die globale Textilindustrie rund 10 % der weltweiten CO₂-Emissionen. Während auf politischer Ebene über EPR-Regelungen (Extended Producer Responsibility) diskutiert wird, sind wir bereits konkret aktiv geworden: Wir haben Hotellerie und Textilkreislaufwirtschaft zusammengebracht.

Wenn ausgedient nicht gleich wertlos bedeutet

Im Hotelbetrieb sind täglich grosse Mengen an Textilien im Einsatz – von Bettwäsche über Tischwäsche und Vorhänge bis hin zu Frotteewaren und Uniformen. Durch die intensive Nutzung erreichen diese Materialien regelmässig einen Punkt, an dem sie für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr eingesetzt werden können.
Zu alt, zu abgenutzt, nicht mehr passend – für den Hotelbetrieb.
Und trotzdem: viel zu schade zum Wegwerfen.

Statt sie zu entsorgen, geben wir ihnen ein zweites Leben

Nach dem erfolgreichen Onbarding der Hotels Ameron Luzern Hotel Flora, Hotel Rigi Kaltbad und Hotel Einstein St. Gallen sowie der Bâle Hotels Group und der EHL im vergangenen Herbst haben uns diese ihre ausgedienten Textilien zur Verfügung gestellt. Die fair fashion factory (fff) in Basel hat daraus zwei erfolgreiche Projekte realisiert:

Einerseits entstanden hochwertige Designerstücke, die in diesem Frühling in Zusammenarbeit mit Coop City Basel in einem Pop-up präsentiert wurden. Andererseits entwickelte die fff gemeinsam mit den Hotels neue Produktideenfür den Betrieb: Aus Tischtüchern wurden stilvolle Badetaschen, aus weiteren Textilien praktische und langlebige Alltagsprodukte für Gäste.

Besonders erfreulich: Die Hotels sind begeistert und möchten die Produkte künftig in ihr Sortiment aufnehmen.

Nun folgt für die fff die nächste Phase – die Suche nach lokalen Produzenten, die diese Textilien in grösseren Stückzahlen effizient und nachhaltig weiterverarbeiten können.

Und die Zusammenarbeit mit fff endet für uns noch nicht ganz – sie sind weiterhin bei HotellerieSuisse als Trusted Start Up im Trusted Network zu finden.

Kreislaufwirtschaft – direkt erlebbar

Das Projekt verfolgt das Ziel, bestehende Ressourcen gezielter zu nutzen und Abfälle zu reduzieren. Im Zentrum steht die Idee der Kreislaufwirtschaft: Materialien sollen möglichst lange im Betrieb genutzt werden und ihren Wert erhalten.

Konkret bedeutet dies:

  • Wiederverwendung bereits vorhandener Textilien
  • Reduktion von Abfallmengen und Entsorgungsaufwand
  • Förderung lokaler Verarbeitung und regionaler Wertschöpfung

Und die Hotels sind begeistert, weil sich aus ausgedienten Textilien Produkte mit Charakter entwickeln, die nicht nur einen direkten Mehrwert für den Betrieb schaffen, sondern auch neue Möglichkeiten für Storytelling eröffnen. Sie sprechen Gäste emotional an und liefern gleichzeitig innovativen Marketing-Content – Nachhaltigkeit wird so unmittelbar erlebbar.

Gleichzeitig bietet das Projekt einen niederschwelligen Einstieg in nachhaltige Geschäftsmodelle: Hotels können ohne grosses Risiko ausprobieren, wie sich zirkuläre Ansätze in ihren Alltag integrieren lassen, und dabei wertvolle Erfahrungen für zukünftige Lösungen sammeln.

Nicht zuletzt trägt das Ganze dazu bei, Ressourcen zu schonen und Verantwortung sichtbar zu übernehmen. Abfall und Entsorgungskosten werden reduziert, Materialien sinnvoll weitergenutzt und ein klares Zeichen für mehr Nachhaltigkeit in der Branche gesetzt.

Echte Nachhaltigkeit beginnt dort, wo Prozesse nachvollziehbar werden und Entscheidungen bewusst getroffen werden. Dieses Projekt ist ein Schritt in diese Richtung.

Mit jeder Aufmerksamkeit für solche Details trägt man – auch als Gast – dazu bei, dass solche Projekte möglich werden.
Dass neue Wege gedacht werden.
Und dass aus alten Materialien neue Lieblingsstücke entstehen.

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